Archiv für Juni 2011

Büem und Gurt

Blüem-Gen beim Braunvieh gefunden – Gentests lösen das Rätsel

Braunviehtiere können für das Merkmal «Blüem» auf ihre Rein- oder Mischerbigkeit DNA-getestet werden. So können gezielt «Blüem»-Kühe gezüchtet werden. Das Gen für «Gurt» konnte noch nicht gefunden werden.

Ein reinerbiges «Blüem»-Rind. Es hat vom Vater und der Mutter «Blüem»-Gene geerbt. / Simon Moser

Typisch für «Blüem»-Rinder sind die weiss gefleckte Rückenpartie und die «geblüemten» Muster an der Stirn. «Blüem» und «Ryf» bezeichnen die gleiche Musterung. Neben den «Blüem»-Rindern existieren beim Braunvieh die sogenannten «Gurt»-Kühe. Das Fellfarbmuster Gurt wird charakterisiert durch ein weisses, den Rumpf vollständig umspannendes Band.

Sennen als Retter

Die Nachfrage nach «Gurt»- und «Blüem»-Rindern ist seit der vollwertigen Anerkennung der speziellen Genetik als Herdebuchtiere des Schweizer Braunviehzuchtverbands (SBZV) im Jahre 1997 stark angestiegen. Soweit heute noch bekannt ist, wurden seit der Gründung des SBZV weisse Farbflecken bekämpft. «Gurt»- und «Blüem»-Tiere wurden demzufolge vorher nie ins Herdebuch aufgenommen und konnten nicht an einer Viehschau gezeigt werden.

Die Appenzeller Sennen und einige Bauern im Toggenburg haben sich mit dem Verbot sehr schwer getan und trotzdem jeweils ein Stück nachgezüchtet. Neben der Pflege der Tradition wurden «Gurt»- und «Blüem»-Tiere wohl auch gezüchtet, weil der Aberglaube weit verbreitet war, wonach ein «Gurt» oder «Blüem» die bösen Geister erschrecken und von der Alp fernhalten solle. Roland Inauen, Konservator im Museum Appenzell, weist darauf hin, «dass das Weiss dieser Tiere Glück bringen soll. Auch Glück im Stall, so munkelt man im Appenzell.»
Der SBZV weist heute darauf hin, dass Gurt und Blüem denselben Ursprung haben wie die ungefleckten Rinder. Er sagt, die Tiere hätten stets als eine Farbvariante des Braunviehs gegolten. Die Fellfarben «Blüem» und «Gurt» werden durch Gene bestimmt. Gene sind Erbanlagen, die ein Merkmal beeinflussen. Im Rahmen einer Diplomarbeit der Schweizerischen Hochschule für Landwirtschaft (SHL) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Genetik der Universität Bern wurde ein Marker gefunden, welcher perfekt mit dem Merkmal Blüem assoziiert ist.

Mit Gentest untersuchen

Das bedeutet, alle Blüem-Rinder weisen im Gegensatz zu den Nicht-«Blüem»-Tieren an dem erwähnten genetischen Marker (DNA-Abschnitt) dieselbe Länge auf. Mit diesen Erkenntnissen können Braunviehrinder für die Fellzeichnung «Blüem» mittels Gentest untersucht werden, ob sie rein- oder mischerbig sind. Das Merkmal «Blüem» vererbt sich gemäss einem dominanten Erbgang nach Mendel. Damit lässt sich auch erklären, wieso aus einer Paarung von zwei misch-erbigen «Blüem»-Elterntieren trotzdem zu einem Viertel wieder ganz normale Braunviehrinder geboren werden. Beide Elterntiere gaben in diesem Fall jeweils den braunen Genabschnitt weiter. Braune Nachkommen aus einer solchen Paarung weisen kein «Blüem»-Gen auf und werden demzufolge auch später nie wieder «Blüem»-Nachkommen aus einer Paarung mit einem braunen Stier hervorbringen. Die Wahrscheinlichkeit, aus einer Paarung einer braunen Kuh mal einem mischerbigen «Blüem»-Stier einen «Blüem»-Nachkommen zu erhalten, ist gleich 50 Prozent. Wenn jedoch ein Elterntier reinerbig ist, haben die Nachkommen mit hundertprozentiger Sicherheit die Fellfarbe «Blüem».

Verschiedene «Blüem»

Aufgefallen ist, dass reinerbige «Blüem»-Rinder die deutlich hellere Fellfarbe und mehr weisse Stellen im Fell aufweisen als mischerbige «Blüem»-Tiere. Dieses Phänomen lässt sich mit den aktuellen Erkenntnissen so erklären, dass eine doppelte Dosis «Blüem»-Gen (bei reinerbigen Tieren) das Aussehen mehr beeinflusst als nur eine einzelne Kopie des «Blüem»-Gens (bei mischerbigen Tieren).
Im Gegensatz zu den unterschiedlichen Ausprägungen des Farbmusters bei «Blüem», finden sich zwischen misch- und reinerbigen «Gurt»-Rindern keine Unterschiede. Allfällige Unterschiede in der Ausprägung, wie beispielsweise die Breite des «Gurts», sind beim Merkmal «Gurt» nicht nur genetisch bedingt. Rinder mit unregelmässigen «Gurt»-Mustern, welche zum Beispiel nur am Bauch die weisse Fellfarbe aufweisen, heissen «Weissbauch». Sie sind genetisch mit den typischen «Gurt»-Rindern identisch.

(CH Bauer)

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